Die Kunst der Montage

David J. Rauschning, DIE KUNST DER AUSLASSUNG: Montage im szenischen Film, UVK Verlagsgesellschaft, Konstanz und München 2014

Ein Cutter/Editor mag in der Branche noch so gefragt sein, seine Chance auf Popularität ist gering. Die Teamarbeit an einem Film ist insofern undankbar, als der Regisseur das Repräsentationsmonopol besitzt; der Film gilt als sein Werk. So viel virtuoses Handwerk auch in ihm steckt – bemerkt wird nur, was die Bilder zeigen. Was sie nicht zeigen, kann erwartungsgemäß kein Thema sein. Oder doch? Die Kunst der Montage weiterlesen

Hitlers langer Schatten – Exposé für eine Vortragsreihe

Unsere Strategien gegen Rechtsradikalismus beschränken sich gewöhnlich auf den kognitiven Bereich. Wir analysieren, argumentieren, nennen Ursachen, stellen historische, politische, soziale Zusammenhänge her und vertrauen darauf, dass sich Vernunft und Moral am Ende durchsetzen werden. Wenn aber immer noch wahr ist (und alles spricht dafür), was Saul Friedländer in seinem Essay „Widerschein des Nazismus“ schon 1982 festgestellt hat: dass „die Attraktivität des Nazismus … keineswegs nur in seiner explizit propagierten Doktrin [lag], sondern mindestens ebenso auch in der Kraft seiner Emotionen, in den von ihm geweckten Bildern und Phantasmen“, dann ist es nicht nur für Historiker interessant, herauszufinden, auf welcher Ebene des Unbewussten der Nationalsozialismus seine Zeitgenossen so stark angesprochen hat, dass sie in der Lage waren, die Realität von Krieg und Unterdrückung bis zuletzt zu leugnen. Hitlers langer Schatten – Exposé für eine Vortragsreihe weiterlesen

Wie man mit wenig Geld HD wie Film aussehen lässt

Ein Vortrag im Rahmen der „Beyond Hands on HD“-Tagung am
11./12. Juli in Hannover hob sich (für mich wohltuend) gegen den
Mainstream der Ultra-Perfektionisten ab: Peter Slansky referierte
über „Look-Kreation durch Optikwahl“. Während „High Resolution,
High Frame Rate, High Density“ als Wege zur „ultimativen
Bildqualität“ ausgelotet wurden, sprach er über die kleinen
Unvollkommenheiten, die einen Film erst interessant machen. Er
brachte das Problem des digitalen Kinos auf den Punkt: es ist zu
perfekt. Wie man mit wenig Geld HD wie Film aussehen lässt weiterlesen

Vorsicht: Bilder! „Kriegerin“

Es ist eine Frage der Erfahrung. Gleichzeitig mit dem Lesen lernen wir, die Wörter zu interpretieren. Was meint die Rede, was bedeutet der Text? Kommunikation wäre unmöglich, wenn man darüber keine Einigkeit herstellen könnte.

Doch gilt das auch für Bilder? Abgesehen davon, dass wir die Sprache brauchen, um uns darüber zu verständigen, was sie erzählen, ist ihre Bedeutung weitaus offener als die von Wörtern. Kann ihre Vieldeutigkeit nicht sogar so weit reichen, dass die einen sich von den gleichen Bildern abgestoßen fühlen, die auf die anderen anziehend wirken? Vorsicht: Bilder! „Kriegerin“ weiterlesen

Schule und Film: Brauchen wir Filmpädagogen?

Überlegungen nach einem Gespräch mit Detlef Endeward, NLQ

„Filmbildung“ ist jetzt Prüfungsthema. Die niedersächsischen Abiturienten des Jahrgangs 2012 werden sich im Fach Deutsch mit einer Prüfungsfrage aus dem Rahmenthema 7 „Filmisches Erzählen“ konfrontiert sehen. Vorher werden sie ein halbes Jahr lang erarbeitet haben, was das Kerncurriculum für die Qualifikationsphase (Klassen 11- 12) vorschreibt: „Der Film als erzählendes Medium bildet – in Analogie zum literarischen Erzählen – den Schwerpunkt des Rahmenthemas und wird beispielhaft sowohl anhand ausgewählter aktueller Spielfilme als auch Spielfilme der Filmgeschichte erarbeitet. Im Pflichtmodul werden unter filmästhetischen Aspekten Muster filmischen Erzählens anhand eines Spielfilms und verschiedener Filmsequenzen analysiert, die inhaltlich und formal an tradierte Mythen anknüpfen und – analog zu literarischen Verarbeitungen – Varianten bekannter menschlicher Daseinsmuster in filmischer Gestaltung vermitteln“. * Schule und Film: Brauchen wir Filmpädagogen? weiterlesen

Was ein literarisches Drehbuch ist – und was es nicht ist

(Essay vom 23.3.2011)

Der Versuch Jürgen Kühnels*, das Filmdrehbuch neben dem Opernlibretto und dem Hörspiel als literarische Innovation freizustellen, überzeugt uns nicht. Beide sind Varianten der uralten literarischen Gattung Drama. Auch wenn ein Libretto ohne Musik und Sängerstimmen einen Sinn ergibt, bleibt es eine Opernvorlage, die der Inszenierung bedarf, um als Kunstwerk rezipiert zu werden. Was ein literarisches Drehbuch ist – und was es nicht ist weiterlesen